Gegen die Schließung des Kunsthistorischen Instituts an der Universität Osnabrück

Die LandesAstenKonferenz Niedersachsen (LAK) solidarisiert sich mit dem von der Schließung bedrohten Kunsthistorischen Institut der Universität Osnabrück und seinen Angehörigen, insbesondere mit den betroffenen Student*innen.

Die vorgesehene Schließung des Instituts ist ein weiterer Schritt der Austrocknung von Geistes- und Sozialwissenschaften, der durch die anstehenden Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen dem Präsidium der Universität Osnabrück und der Landesregierung vorangetrieben wird. Indem Forschung und Lehre an Hochschulen und Universitäten zusehends von den Interessen von Geldgeber*innen abhängig gemacht wird, verschwinden die Nischen für freie Forschung immer weiter. Dabei ist es erst mal nebensächlich, ob das Geld vom Land oder aus privaten Quellen stammt. Die Verteilung staatlicher und privater Drittmittel wird von der Bereitschaft abhängig gemacht, die eigenen Forschungsinteressen denen der Geldgeber*innen und der möglichen Verwertbarkeit der Ergebnisse unterzuordnen. Darüber hinaus legt die Politik über die Vergabe von leistungsbezogenen Mitteln, statt einer ausreichenden Grundfinanzierung, die Ausgestaltung von Studiengängen und Forschungsprojekten fest. Die Vergaben dieser Mittel erfolgt auf Grundlage von (oft genug realitätsfernen) Leistungsindikatoren, die wie die private Drittmittelvergabe immer weniger Freiheit für die freie Gestaltung von Forschung und Lehre lassen. Sind Fakultäten und Studiengänge einmal auf diese Weise als „unrentabel“ identifiziert, werden sie schnell zum Ziel von Einschnitten oder – wie gerade in Osnabrück – Schließungen. Dies ist jedoch keine Ausrede für die einzelnen Hochschulleitungen, sich der Verantwortung für diese Entscheidungen zu entledigen. Häufig unterwerfen sie sich diesen Zwängen allzu bereitwillig, statt sich für die grundsätzliche Verbesserung der Arbeits- und Studienbedingungen der Universitätsangehörigen und Student*innen einzusetzen.

Auch ist bei der geplanten Institutsschließung in Osnabrück die offenkundige Geringschätzung der Kunstgeschichte als problematisch anzusehen. Gerade in einer Zeit, in der Kunst und Kultur im öffentlichen Diskurs immer mehr Raum einnehmen, kann die Kunstgeschichte mit ihren Methoden wertvolle Beiträge leisten. Zudem bliebe damit in Niedersachsen genau ein kunsthistorisches Institut mit zwei Professuren erhalten. Für acht Millionen Menschen und ein reichhaltiges künstlerisches und kulturelles Erbe ist dies ist zu wenig.

Zuletzt ist der gesetzlich vorgesehene undemokratische Entscheidungsprozess (nicht nur in dieser Frage) zu kritisieren. Über die Einrichtung, wesentliche Umstrukturierung und eben Schließung von Studiengängen und Organisationseinheiten der Hochschulen kann die jeweilige Hochschulleitung alleine mit dem Landesministerium entscheiden. Eine Mitwirkung zumindest grundlegend demokratischer Hochschulorgane, wie Senat und Fakultäts- bzw. Fachbereichsrat, ist nur in Form nicht bindender Stellungnahmen vorgesehen, über die sich die Hochschulleitung jederzeit hinwegsetzen kann.

Aus diesen Erwägungen heraus fordert die LAK den Erhalt des Kunsthistorischen Instituts der Universität Osnabrück sowie grundsätzlich eine ausreichende, drittmittelunabhängige Grundfinanzierung sowie eine Demokratisierung der Entscheidungsprozesse an den niedersächsischen Hochschulen.

Hochschulen sozial gestalten – Ein Forderungspapier für die niedersächsische Landtagswahl 2018

Sechzehn Jahre nach der Bologna-Erklärung ist die darauf folgende Reform weitestgehend umgesetzt. Ihre Prämissen und Imperative sind im Verbund mit dem Konsens der Politik für eine neoliberal-wettbewerbliche Orientierung der Hochschulen weitestgehend zu den bestimmenden Faktoren im Hochschulwesen geworden. Damit insbesondere verbunden sind Schlagworte wie „Humankapital“ und „Employability“, eine erhöhte Verschulung und Einengung des Studiums sowie das Konzept der unternehmerischen Hochschule. Diese passt ihre Bildung an Marktzwänge an und muss sich im Wettbewerb um verknappte Finanzmittel behaupten. Wettbewerbsgeleitete Managementstrukturen und Standortwettbewerb prägen so derzeit die Hochschulen. Die aktuelle Generation von Präsident*innen befeuert dazu noch einen unnötigen Wettbewerb um Studieninteressierte. Das hat Auswirkungen auf die Hochschulangehörigen. Durch einen zentralisierten, einerseits überbürokratisierten und andererseits entdemokratisierten Kontrollapparat werden diese nach ihrer Verwertbarkeit kategorisiert, bewertet und sortiert. Letztlich werden sie dadurch auch diszipliniert und damit an Märkte und marktbestimmte Konformitätsvorstellungen angepasst. Eine freie Bildung ist unter diesen Umständen kaum möglich. Dazu zeigen Abbrecher*innenzahlen sowie Statistiken zu Burnout, Depression und Medikamentenmissbrauch, dass das aktuelle Bachelor- und Masterstudium Menschen krank macht. Der Druck, sich Regelstudienzeiten und Prüfungszwängen anzupassen, ist oft größer, als die Möglichkeit, die noch gebliebenen Freiheiten zu nutzen. All das sind prekäre Studiums-, Arbeits- und Lebenssituationen. Das trifft insbesondere diejenigen Mitglieder unserer Gesellschaft, die auch aufgrund ihrer sonstigen Lebenssituation weniger anpassungsfähig sind.


Aufgrund dieser Missstände wollen wir uns im Wahlkampf und nach der Landtagswahl 2018 für ein Ende dieser prekären Verhältnisse und Situationen stark machen und uns stattdessen für soziale Bedingungen in Studium und Arbeit an niedersächsischen Hochschulen
einsetzen. Selbiges fordern wir hiermit von den kandidierenden und insbesondere von den danach regierenden Parteien. Weiterlesen