Offener Brief an das Präsidium der Tierärztlich Hochschule Hannover

Der LandesAstenKonferenz geht es um die Aufarbeitung der Vorfälle und eine zukünftigen Unterbindung von Sexismus. Hiermit möchten wir noch einmal betonen, dass es nicht darum geht einen Keil in die Studierendenschaft zu treiben. Als Vertretung aller niedersächsischen Studierenden liegt es uns am Herzen, dass Hochschulen ein Raum bleiben in dem sich auf Augenhohe und mit Respekt begegnet werden kann.

 

An die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

z.Hd. Präsidium

Bünteweg 2

30559 Hannover

Hildesheim, den 08. Oktober 2019

 

Sehr geehrter Herr Dr. Dr. h.c. mult. Greif,

Sehr geehrter Herr Mertes,

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Tipold,

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Naim,

 

wir wenden uns an Sie wegen der bekannt gewordenen, sexistischen Vorfälle um das sogenannte Bergfest an Ihrer Universität. Die Studierenden der Tierärztlichen Hochschule Hannover (im Folgenden: TiHo) halten traditionell zum sechsten Semester ihres Studiums ein „Bergfest“ ab. Dieses Jahr ging der Auftritt des Männerchors jedoch über den Rahmen des freundschaftlichen Wettstreits hinaus. Ein militaristisches Auftreten kann vielleicht noch in irgendeinem Zusammenhang als Satire verkauft werden. In Kombination mit dem T-Shirt-Aufdruck „VETeran – We make TiHoe‘s vet again“ wird aber unbestreitbar eine Frauenverachtung abgebildet, die der eines Donald Trump in nichts nachsteht. Dieses Auftreten, bestehend aus diesen Faktoren, war bewusst gewählt. Es ist zu erwarten, dass die Studierenden die Konsequenzen ihrer Handlungen abschätzen konnten (Link unserer ersten Stellungnahme)

Wir, die LandesAstenKonferenz Niedersachsen (im Folgenden: LAK), verurteilen diesen Vorfall scharf. Wir rufen die Mitglieder der TiHo auf, sich mit dem Vorfall auseinander zu setzen und zu überlegen, wie solche Handlungen zukünftig unterbunden werden können.

Als Präsidium vertreten Sie die Universität maßgeblich nach außen.  Auch die Vorfälle sind durch die Presse gegangen und haben zahlreiche öffentliche Reaktionen provoziert und es handelt sich längst nicht mehr um ein Thema, welches lediglich Ihre Universität betrifft. Bisher ist uns keine öffentliche Stellungnahme Ihrerseits bekannt. Deshalb kommen wir nun als Landesstudierendenvertretung auf Sie zu.

Mit dem Verweis darauf, dass es sich um ein internes Problem handele, fürchten wir, dass sich vor der Auseinandersetzung gedrückt wird und das Problem totgeschwiegen werden soll. Zwar ist es begrüßenswert, wenn es zum Austausch zwischen Beteiligten kommt, aber der Versuch, den Vorfall, der im öffentlichen Raum der Hochschule stattfand und auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird, nur intern zu lösen, ist für die Außenwirkung der gesamten Hochschule schädlich. Es muss ein klares Zeichen gegen Sexismus und Misogynie gesetzt und öffentlichkeitswirksam gezeigt werden, dass Menschen mit dieser Einstellung nicht willkommen sind. Dabei geht es nicht darum, eine ohnehin kleine Gruppe männlicher Studierender an ihrer Universität zu rügen, sondern auf die strukturellen, sexistischen Mechanismen hinzuweisen und Sexismus oder Militarismus zu benennen und zu kritisieren. Es geht insbesondere darum, diskriminierende Erfahrungen in den nächsten Jahren (nicht nur an Ihrer Universität) zu verhindern und die gesellschaftlichen Verhältnisse diesbezüglich nicht durch Schweigen zu reproduzieren, sondern vielmehr aufzubrechen und zu verändern. Diese Verantwortung sehen wir unter anderem im Vorbild- und Bildungscharakter der Universitäten.

Außerdem kritisieren wir scharf, dass Sie die Autonomie des AStAs nicht wahren und Ihnen vertrauliche Informationen von Studierenden zugekommen sind, welche sich an dieses Gremium gewandt hatten. Es ist von großer Bedeutung, dass Betroffenen unabhängige Beratungs- und Anlaufstellen zur Verfügung stehen und sie aus der Bitte um Unterstützung keine negativen Konsequenzen zu befürchten haben. Dies sehen wir an Ihrer Universität nicht mehr als gewährleistet.

Darüber hinaus ist uns bekannt geworden, dass es einen Dozenten an Ihrer Universität gibt, der immer wieder durch abwertendes Verhalten gegenüber Studentinnen auffällt. Dies kann unserer Ansicht nach nicht durch den hohen Anteil an Studentinnen relativiert werden, denn es handelt sich hierbei klar um ein gesellschaftlich akzeptiertes und häufig vorzufindendes Phänomen sexistischer Machtausübung. Auch hier sehen wir die Verantwortung bei Ihnen und den Bedarf dringend tätig zu werden.

Daher fordern wir Sie auf, sich solidarisch mit den Betroffenen zu zeigen, die Geschehnisse deutlich zu verurteilen und öffentlich Stellung zu nehmen. Wie bewerten Sie die Vorfälle? Welche Schritte haben Sie bereits eingeleitet? Wo sehen Sie Schwierigkeiten bei der Auseinandersetzung mit den Themen und der Aufarbeitung der Vorkommnisse?

Wir bitten Sie um eine baldige, schriftliche Antwort und die Weiterleitung Ihrer Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen verbleiben,

Lone Grotheer und Stephan Buchberger

für die LandesAStenKonferenz Niedersachsen