Offener Brief der LAK Niedersachsen an den Asta der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Der LandesAstenKonferenz geht es um die Aufarbeitung der Vorfälle und eine zukünftigen Unterbindung von Sexismus. Hiermit möchten wir noch einmal betonen, dass es nicht darum geht einen Keil in die Studierendenschaft zu treiben. Als Vertretung aller niedersächsischen Studierenden liegt es uns am Herzen, dass Hochschulen ein Raum bleiben in dem sich auf Augenhohe und mit Respekt begegnet werden kann.

 

An den AStA der Tierärztlichen Hochschule Hannover

Am Bischofsholer Damm 15, Gebäude 106

30173 Hannover

Hildesheim, den 08. Oktober 2019

 

Liebes AStA-Team,

wir wenden uns erneut an Euch wegen der bekannt gewordenen, sexistischen Vorfälle um das sogenannte Bergfest an eurer Universität. Die Studierenden der Tierärztlichen Hochschule Hannover (im Folgenden: TiHo) halten traditionell zum sechsten Semester ihres Studiums ein „Bergfest“ ab. Dieses Jahr ging der Auftritt des Männerchors jedoch über den Rahmen des freundschaftlichen Wettstreits hinaus. Ein militaristisches Auftreten kann vielleicht noch in irgendeinem Zusammenhang als Satire verkauft werden. In Kombination mit dem T-Shirt-Aufdruck „VETeran – We make TiHoe‘s vet again“ wird aber unbestreitbar eine Frauenverachtung abgebildet, die der eines Donald Trump in nichts nachsteht. Dieses Auftreten, bestehend aus diesen Faktoren, war bewusst gewählt. Es ist zu erwarten, dass die Studierenden die Konsequenzen ihrer Handlungen abschätzen konnten. (Link unserer ersten Stellungnahme)

Wir, die LandesAstenKonferenz Niedersachsen (im Folgenden: LAK), verurteilen diesen Vorfall scharf. Wir rufen die Studierenden der TiHo auf, sich mit dem Vorfall auseinander zu setzen und zu überlegen, wie solche Handlungen zukünftig unterbunden werden können.

Ihr seid die gewählte Vertretung der Studierenden und wir sehen gerade Euch daher in der Pflicht zu den Vorfällen öffentlich Stellung zu nehmen. Da die Vorfälle durch die Presse gegangen sind und zahlreiche öffentliche Reaktionen provoziert haben, handelt es sich längst nicht mehr um ein Thema, welches lediglich die Universität betrifft. Bisher ist uns jedoch keine öffentliche Stellungnahme Eurerseits bekannt. Deshalb kommen wir nun als Landesstudierendenvertretung erneut auf euch zu. Auf Nachfrage der LAK erhielten wir folgendes Statement: „Der allgemeine Studierenden Ausschuss der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover versteht sich als Vertretung aller Studierenden der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Als solche stellen wir uns klar gegen Sexismus und Nationalismus und bekennen uns zu Toleranz, Weltoffenheit, Gleichberechtigung und einem respektvollen Miteinander. In Bezug auf den aktuellen Vorfall wurden nach Gesprächen mit allen Beteiligten Verabredungen ergriffen, die intern wirksam werden sollen und daher auch nur intern kommuniziert werden. Die Studierenden der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover werden über diese informiert.“ Dieses Statement des AStA sehen wir nicht als Positionierung gegen den Vorfall.

Mit lediglich einigen Phrasen oder dem Verweis darauf, dass es sich um ein internes Problem handele, fürchten wir, dass sich vor der Auseinandersetzung gedrückt wird und das Problem totgeschwiegen werden soll. Zwar ist es begrüßenswert, wenn es zum Austausch zwischen Beteiligten kommt, aber der Versuch, den Vorfall, der im öffentlichen Raum der Hochschule stattfand und auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird, nur intern zu lösen, ist für die Außenwirkung der gesamten Hochschule schädlich. Es muss ein klares Zeichen gegen Sexismus und Misogynie gesetzt und öffentlichkeitswirksam gezeigt werden, dass Menschen mit dieser Einstellung nicht willkommen sind. Dabei geht es nicht darum, eine ohnehin kleine Gruppe männlicher Studierender an ihrer Universität zu rügen, sondern auf die strukturellen, sexistischen Mechanismen hinzuweisen und Sexismus oder Militarismus zu benennen und zu kritisieren. Es geht insbesondere darum, diskriminierende Erfahrungen in den nächsten Jahren (nicht nur an der Universität) zu verhindern und die gesellschaftlichen Verhältnisse diesbezüglich nicht durch Schweigen zu reproduzieren, sondern vielmehr aufzubrechen und zu verändern. Diese Verantwortung sehen wir unter anderem im Vorbild- und Bildungscharakter der Universitäten und der Studierendenschaft.

Außerdem ist es von großer Bedeutung, dass Betroffenen unabhängige Beratungs- und Anlaufstellen zur Verfügung stehen und sie aus der Bitte um Unterstützung keine negativen Konsequenzen zu befürchten haben. Erste Anlaufstelle ist dabei immer der AStA. Dies sehen wir durch Euch im Moment nicht mehr als gewährleistet, da vertrauliche Informationen an die Universitätsleitung gegeben wurden und fordern euch daher auf, auch diese Prozesse zu reflektieren.

Darüber hinaus ist uns bekannt geworden, dass es einen Dozenten an Eurer Universität gibt, der immer wieder durch abwertendes Verhalten gegenüber Studentinnen auffällt. Dies kann unserer Ansicht nach nicht durch den hohen Anteil an Studentinnen relativiert werden, denn es handelt sich klar um ein gesellschaftlich akzeptiertes und häufig vorzufindendes Phänomen sexistischer Machtausübung. Auch hier sehen wir Euch in der Verantwortung aktiv zu werden.

Daher fordern wir Euch erneut auf, Euch solidarisch mit den Betroffenen zu zeigen, die Geschehnisse deutlich zu verurteilen und öffentlich Stellung zu nehmen. Wie bewertet ihr die Vorfälle? Welche Schritte habt ihr bereits eingeleitet? Wo seht ihr Schwierigkeiten bei der Auseinandersetzung mit den Themen und der Aufarbeitung der Vorkommnisse? Habt ihr Euch Unterstützung bei der Aufarbeitung der Vorfälle gesucht? Wie konnte es passieren, dass vertrauliche Informationen an die Universitätsleitung gelangt sind? Wir bitten Euch um eine baldige, schriftliche Antwort und die Weiterleitung eurer öffentlichen Stellungnahme.

Wir wissen, dass die Aufarbeitung eine Herausforderung darstellt und eine intensive Auseinandersetzung fordert. Falls ihr Euch dabei Unterstützung wünscht, könnt ihr gerne auf uns zukommen. Solltet ihr jedoch weiterhin nicht angemessen auf die Vorfälle reagieren und Euch nicht öffentlich dazu positionieren, sehen wir als LandesAstenKonferenz keine Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der Studierendenvertretung der TiHo und uns gezwungen unsererseits Öffentlichkeitsarbeit zu machen, um auf die Missstände an eurer Hochschule aufmerksam zu machen und für die betroffenen Partei zu ergreifen.

 

Mit freundlichen Grüßen verbleiben,
Lone Grotheer und Stephan Buchberger
für die LandesAStenKonferenz Niedersachsen